“Selbst einen Narren hält man für weise, wenn er schweigt; solange er den Mund nicht aufmacht, scheint er klug zu sein.” Sprüche 17,2

Recht provokant – dieser Satz aus der Bibel.

“Man braucht zwei Jahre, um sprechen zu lernen, und 50 Jahre, um Schweigen zu lernen.” So formulierte es Ernest Hemingway.

Wer kennt dieses peinliche Gefühl nicht: Du stellst in einem Gespräch eine Frage und dein Gesprächspartner schweigt länger als drei Sekunden.

Gewöhnlich fangen wir an, die Frage zu wiederholen, sie anders zu formulieren oder mit einem anderen Schwerpunkt noch einmal zu stellen. Man korrigiert sich und überlegt nervös, ob man die Frage falsch formuliert hat.

Was würde passieren, wenn wir dem unwiderstehlichem Drang das entstandene Vakuum zu stopfen widerstehen und das Schweigen über einen längeren Zeitraum aushalten würden? Egal ob an einem Eheabend, im Coaching Gespräch oder beim tiefen Austausch unter Freunden. Ich glaube unsere Gespräche wären tiefer, unsere Ehen stabiler und unser Coaching effektiver.

Stell dir deine Frage die du in einer solchen Situation stellst einmal als eine Münze vor, die du in tiefes Wasser geworfen hast und die jetzt viel Zeit braucht, bis sie den Grund erreicht.

Je länger das Schweigen währt, desto besser – und nicht schlechter! – war deine Frage.

Wenn du deinem Gegenüber signalisierst, dass du Zeit und Geduld hast und an seiner Antwort interessiert bist, bietest du ihm einen geschützten Rahmen, die Münze ganz langsam auf Grund gehen zu lassen. Dann wird er merken wo sie gelandet ist und von dieser Position aus seine Antwort zu Tage befördern. Die Worte, die dann an die Oberfläche kommen solltest du ernst nehmen und mit einem Schweigen verdauen. Was dein Gegenüber dann formuliert kommt sicher aus den tiefsten Tiefen seines Herzens. Probier es bei deinem nächsten Gespräch einmal aus und du wirst bemerken, wie Gespräche auf einer ganz anderen Ebene enden als sie begonnen haben.

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